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mounteverest.at: Expeditionsbericht Skiexpedition Mustagh Ata
 
Mustagh Ata, 7.546 m
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  Skibegehung des „Vaters der Eisberge“ vom 30.7. – 26.8.2009
Mustagh Ata, 7.546 m

 
Am Mittwoch, den 19.August 2009 gegen zirka 17.00 Uhr durfte ich gemeinsam mit 3 weiteren Teilnehmern der AMICAL-Expedition auf dem Gipfel des Mustagh Ata, des „Vaters der Eisberge“ stehen. Obwohl die Sicht leider aufgrund eines Wetterumbruches schlecht war, werden mir die wenigen Minuten am Gipfel in über 7.500 Meter Höhe ein unvergessliches Erlebnis bleiben, auch weil mein Vater an diesem Tag seinen 70.Geburtstag feierte und ich mir mit dieser für mich ersten Begehung eines hohen Berges einen lange gehegten Wunsch erfüllte.

Anreise + Akklimatisation

Die Reise begann am Vormittag des 30.Juli 2009 am Flughafen München, von wo aus ein Teil der Expeditionsteilnehmer inklusive meiner Person mit Turkish Airlines nach Istanbul abhob, wo sich die Gruppe dann vor dem Weiterflug nach Bishkek in Kirgisien komplettierte.
 
Nach einer kurzen und angenehmen Nacht ging es schon am Vormittag des 31.Juli 2009 mit einem Kleinbus weiter nach Tash Rabat. Wir erreichten die Karawanserei aus dem 10.Jahrhundert erst bei Dunkelheit. Umso beeindruckender war dann der erste Morgen in diesem Hochtal auf zirka 3.200 m, als sich mir eine saftig grüne und weite Landschaft mit verstreuten Yurten und weidenden Pferden offenbarte.
 
Das Wetter war sehr schön, morgens etwas frisch, brachte aber eine angenehme Tageserwärmung, die uns abgesehen von ein paar umherziehenden Gewittern zwei gute Akklimatisationstage bescherte.

Die Busfahrt von Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisien, nach Tash Rabat, die Tage in den grasigen Gebirgen Kirgisiens mit seinen Nomaden und der weiten Landschaft sowie die Weiterfahrt an die Chinesische Grenze zu auf hohe schneebedeckte Berge haben mich zu einem Kirgisien-Fan werden lassen.
 
Nach diesen ersten positiven Erlebnissen in Kirgisien fuhren wir an die Chinesische Grenze am Torugart Pass auf zirka 3.700 m. Den endlosen Weiten der Hochebene zwischen dem ersten Kirgisischen Militärposten und der Kirgisischen Grenzstation folgten ebenso endlose Pass- und Ausrüstungskontrollen an diversen Chinesischen Grenz- und Zollstationen bis wir endlich am späteren Nachmittag in Kashgar im Hotel ankamen.

Tags darauf ging es früh morgens schon wieder weiter mit unserem komfortablen Reisebus in das Örtchen Shubashi am Fuße des Mustagh Ata. Kurz zuvor konnte ich den Mustagh Ata aus dem Bus zum ersten Mal sehen. Ein besonderer Moment dieser Reise. Nach einem kurzen Stopp am Karakol See, 3.720 m, erreichten wir am späten Nachmittag die Yurten und Steinhäuser von Shubashi.
 
Mit einer CERTEC-Bag-Übung, Instruktionen in der Handhabung und dem Einsatz von Notfallsauerstoff, diversen Hinweisen und Tipps zum Einsatz und dem Inhalt der Apotheke sowie Fotografieren verbrachten wir dann den Nachmittag, um nach einem gemeinsamen Abendessen dann eine Nacht in den Yurten von Shubashi zu verbringen.

Am Morgen des 5.8.2009 begann dann der für mich wesentliche Teil der Reise. Nachdem die Kamele bepackt waren, wanderten wir sehr gemächlich ins Basislager des Mustagh Ata auf zirka 4.400 m. Während den 4-5 Stunden Zustieg ins Basislager hat man den Berg in seiner vollen Größe stets vor sich und ausreichend Zeit, sich in Gedanken zu verlieren, ob denn alles gut gehen werde, wie es den Angehörigen zu Hause geht, ob ich denn wohl auch auf dem Gipfel stehen werden darf und wie das sein wird. Gedanken über Gedanken während einer fast meditativen Wanderung durch eine trockene Hochebene mit weit gezogenen Hügeln. Vor dem Abendessen stiegen wird dann noch vom Basislager weiter auf zirka 4.600 m auf, da dieser Impuls helfen soll, sich besser an die neue Höhe im Basislager anzupassen. Das funktioniert übrigens tatsächlich, ein kurzer Aufstieg zirka 150-200 Meter über das Niveau des Schafplatzes half mir mehrmals während der nächsten Tage.

Aufbau der Lagerkette + Besteigung

Es folgte nun die spannendste Phase der Reise. Jeder Tag, jeder Höhenmeter und fast alle Eindrücke und Ereignisse waren für mich gänzlich Neuland, war ich doch noch nie zuvor auch nur annähernd an einem Berg dieser Dimension.
 
Die ersten 2 Ruhetage im Basislager nutzten wir, zu rasten, das Basislager und die Basislagerzelte einzurichten, die Hochzelte zu überprüfen, zu lesen, mit Faulenzen oder wie ich, die Neukirchner Expedition rund um Markus Amon zu besuchen, wie es ihnen so geht und wie die Verhältnisse am Berg sind.

Am 7.8.2009 war es nun soweit. Wir brachen zum ersten Mal auf zum Lager I auf zirka 5.500 m. Ich habe an diesem Tag viele Fehler gemacht. Falscher Stolz, meine gesamte Ausrüstung „by fair means“ selber ins Lager I zu tragen und wohl auch eine grundsätzliche Überschätzung meiner Leistungsfähigkeit zu diesem Zeitpunkt ließen mich leiden. So kam ich sehr erschöpft und als letzter im Lager I an, von wo ich nach einer kurzen Rast und dem Abladen der Ausrüstung sofort wieder abfuhr. Ich war sehr deprimiert und dachte in diesem Moment, dass diese Dummheit mich wohl den Gipfel kosten wurde. Tröstende Worte fand ich jedoch bei den anderen Expeditionsteilnehmern und vor allem Markus Amon. Dieser war es auch, welcher mir als „Lernerfolg“ aus diesem ersten Anstieg die entscheidenden Tipps gab, wie ich es beim nächsten Mal besser machen sollte.

Wohl aus mangelnder Erfahrung wusste ich in dieser Phase der Expedition noch nicht, welche Wunder Ruhetage bewirken können. So ging es mir nach 1,5 Ruhetagen im Basislager bei meinem zweiten Anstieg ins Lager I am Nachmittag des 9.8.2009 dann schon viel besser. Quasi im Schneckentempo und mit einem fast leeren Rucksack stieg ich nun abermals auf zirka 5.500 m auf, um dort auch die erste Nacht im Lager I zu verbringen. Den Rest meiner Ausrüstung ließ ich tragen.
 
Es folgten nun zwei Tage in der Höhe.

Am 10.8.2009 stiegen wir zunächst am Seil und dann frei auf zirka 6.000 m auf, um einen ersten Impuls der Höhe zu erhalten. Ich kam mit dem gemeinsamen Gehen am Seil überhaupt nicht zurecht und äußerte meinen Unmut darüber – wenn ich mich recht erinnere – auch lautstark. Die zweite Nacht im Lager I war nach meiner Erinnerung auszuhalten, es ging mir weder besonders schlecht noch besonders gut.
 
Erheblich besser verlief dann der 11.8.2009 für mich. Wir stiegen zum ersten Mal ins Lager II auf eine Höhe von zirka 6.450 m auf, um ein Versorgungszelt aufzustellen, welches wir mit unserer Ausrüstung anfüllten, damit es nicht vom Wind geholt werden kann. Ich konnte diesen Zustieg genießen und auch die Abfahrt und der Abstieg zurück ins Basislager verliefen positiv. Für meine Moral waren diese 2,5 Tage in der Höhe eine Wohltat.

Am Nachmittag des 11.8.2009 erreichte ich dann wieder das Basislager, um mich auf 2,5 Ruhetage zu freuen. Ich wusste nun bereits um die Bedeutung von Ruhetagen, was mich zusammen mit den erfreulichen Erfahrungen der letzten Tage sehr positiv stimmte, was meine Gipfelchancen anging. Die Ruhetage im Basislager nutzte ich unter anderem dazu, einen Spaziergang zur nahen Gletscherzunge zu machen, die mich seit dem Anmarsch ins Basislager faszinierte. Wie ein weißes Tuch liegt der Gletscher in der kargen Landschaft. Einmalig!

1. Gipfelversuch

1.Gipfelversuch: 14. – 16.8.2009
 

Am 14.8.2009 war es nun soweit. Gut erholt und mit Aussicht auf bestes Wetter startete ich voller Hoffnung zu meinem ersten Gipfelversuch. Wie die Male zuvor ging es sehr gemächlich zunächst ins Lager I, wo ich am frühen Nachmittag des 14.8.2009 ankam.
 
Den Nachmittag des 14.8.2009 verbrachte ich mit Fotografieren, Essen und Trinken, Wasserschmelzen, Packen sowie Rasten im und vor dem Zelt. Ich fühlte mich hervorragend und genoss die Sonne, den Ausblick und die positive Anspannung und Vorfreude auf die nächsten 2-3 Tage.

Schon am späten Nachmittag machte sich im Lager I das Gerücht breit, es gäbe einen neuen Wetterbericht von Charly Gabl aus Innsbruck, der für den Nachmittag des 15.8.2009 sowie die darauf folgende Nacht einen Höhensturm vorhersagte. Weiters sei seitens Charly Gabl der 16.8.2009 als Gipfeltag auszuschließen.
 
Ich habe dieses Gerücht zunächst nicht ernst genommen, hieß es doch am Vortag seitens unseres Veranstalters AMICAL von Ralf Dujmovits, dass bestes Wetter herrschen solle. Mehrere Gespräche mit dem Bergführer des DAV Summit Club ließen mich schon ahnen, dass es wohl nichts werden wird mit dem Gipfel am 16.8.2009.

Leider bewahrheitete sich am frühen Abend das Gerücht. Ich ging in der Folge durch ein Wechselbad der Gefühle, eine Mischung aus Ärger, Enttäuschung, Hoffnung und Akzeptieren der Tatsachen. Wobei mir Letzteres sehr schwer gefallen ist. Mehrere Szenarien für den 15.8.2009 wurden nun von uns im Lager I diskutiert. Die einen wollten am Morgen des 15.8.2009 sofort absteigen, andere wiederum etwas aufsteigen, um Fotos zu machen, wieder andere einfach soweit als möglich aufsteigen. Ich gehörte zu Letzteren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich gedanklich noch nicht vom Gipfel verabschiedet. Es wurde der Umkehrzeitpunkt 16:00 Uhr mit der Bergführerin vereinbart, welche zu diesem Zeitpunkt im Basislager war. 

Am Morgen des 15.8.2009 hielt das Wetter zwar noch, aber die Atmosphäre war diesig, ein Zustand, den wir noch nicht gesehen hatten zuvor und auch niemand von uns so richtig zu deuten wusste. Uns war klar, dass sich atmosphärisch etwas verändert hat und dass dieser Umstand zusammen mit der Wetterprognose von Charly Gabl wohl nichts Gutes heißen würde.
 
Ahnend, dass es diesmal wohl nichts werden wird mit dem Gipfel, bin ich am späten Vormittag des 15.8.2009 alleine aufgestiegen. Was genau meine Motivation war bzw. was ich mir genau dabei gedachte habe, weiß ich heute nicht mehr. Ich glaube mich erinnern zu können, dass ich schauen wollte, wie hoch ich komme und ich jedenfalls zumindest einmal „hoch oben“ sein wollte. Uns wurde zwar versichert, es gäbe genug Zeit für einen ordentlichen 2.Gipfelversuch, aber ich fühlte mich an diesem Tag derart stark, dass ich nach oben steigen wollte.

Eine Zeit lang begleitete mich Edgar Fichter bzw. waren wir in Sichtweite. Edgar stieg an diesem Tag nach meiner Erinnerung bis ins Lager II und kontrollierte das Versorgungszelt, um dann wieder abzufahren. Für mich persönlich war Edgar der stärkste Alpinist dieser Expedition. Ich fühlte mich wie gesagt sehr gut an diesem 15.8.2009 und stieg aus diesem Grunde alleine weiter hinaus über das Lager II bis auf eine Höhe von zirka 6.600 – 6.650 m. Dieser Tag sollte physisch mein stärkster gewesen sein im Rückblick.

Ich erreichte die Höhe von 6.600 – 6.650 m gegen zirka 15:45 Uhr. Zu keinem Zeitpunkt meines Alleinganges dachte ich daran, mich nicht an den vereinbarten Umkehrzeitpunkt zu halten. Zu viel hatte ich in der einschlägigen Literatur bereits gelesen, was da dabei heraus kommen kann. Kehrt zu machen an diesem Tag ist mir sehr schwer gefallen. Das Wetter war noch immer sehr gut, ich fühlte mich hervorragend und doch gilt es wohl in solchen Momenten, sich an Vereinbarungen zu halten. So rastete ich kurz, hielt meine Emotion sowie die Aussicht von dort oben in einem kurzen Video fest, fuhr ab ins Lager I und weiter zu unserem Skidepot auf zirka 5.100 m. Von dort ging ich zu Fuß ins Basislager.

Im Rückblick glaube ich, dass mir dieser Impuls der Höhe von zirka 6.600 m sehr geholfen hat. Ich hatte zwar am Gipfeltag physisch nicht meinen besten Tag, konnte aber die Höhe bis 7.500 m gut ertragen und vor allem beide Nächte im Lager II gut schlafen, essen und trinken.
 
Den 16.8.2009 verbrachte ich rastend im Basislager. Ich war zu diesem Zeitpunkt sehr froh über meine (unsere) Entscheidung, den 1.Gipfelversuch abzubrechen und umzukehren. Der von Charly Gabl vorhergesagte Höhensturm setzte am Nachmittag des 16.8.2009 ein und bescherte uns frische Temperaturen und ein wenig Neuschnee im Basislager am Morgen des 17.8.2009.

2. Gipfelversuch

Um so lange als möglich rasten zu können, stieg ich erst am frühen Nachmittag des 17.8.2009 erneut ins Lager I auf. Viel zu tun gab es dort ja nicht mehr. So habe ich wieder gerastet, gegessen und getrunken, fotografiert und die benötigte Ausrüstung soweit möglich bereits für den Aufstieg ins Lager II am nächsten Tag vorbereitet.
 
Die Temperatur war spürbar gesunken und auch die Atmosphäre war nach dem Höhensturm nicht mehr so klar wie die Tage zuvor.

Am frühen Vormittag des 18.8.2009 stiegen wir dann fast alle gemeinsam mit schweren Rucksäcken in Richtung Lager II auf. Die unterschiedliche Leistungsfähigkeit der einzelnen Teilnehmer der Expedition führte dazu, dass sich die Gruppe weit verteilte am Berg. Ich weiß heute nicht mehr genau, mit wem ich an diesem Tag unterwegs war bzw. wer in meiner Nähe war oder ob ich alleine war.
 
Knapp unter dem Lager II kam ich in eine aufziehende Gewitterfront, konnte das Lager II zu meinem Glück aber noch rechtzeitig erreichen. Ein Teil der Gruppe hinter mir hatte weniger Glück als ich. Sie berichteten von Elmsfeuer und heftiger Gewittertätigkeit. Letzten Endes erreichten aber alle unversehrt das Lager II.

Dankenswerterweise hatten jene Expeditionsteilnehmer, welche das Lager II an diesem 18.8.2009 als erstes erreichten, bereits einen Großteil der Zelte aufgestellt. Ich half noch bei etwa 3 Zelten mit, Zeltplätze auszuschaufeln, Heringe zu vergraben und kümmerte mich in der Folge ums Wasserkochen.
 
Ich konnte sehr gut schlafen im Lager II in der Nacht vom 18.8. auf den 19.8.2009 und hatte auch ausreichend Appetit, um zumindest ein paar Kekse und eine Fischdose zu mir zu nehmen und diese auch im Magen zu behalten. Ausreichend ausgestattet mit Getränken verkroch ich mich in meinem Daunenschlafsack, den ich von Marko Wallner borgte. Ein Dankeschön an dieser Stelle. Auch sein Ratschlag wurde von mir beherzigt, alle kälteempfindlichen Geräte wie das GPS-Gerät, meine Stirnlampe oder etwa auch das LVS-Gerät mit in den Schlafsack zu nehmen, da das die Batterien schont.

Wenn ich mich recht erinnere, musste ich zweimal oder dreimal pinkeln in dieser Nacht. Jedenfalls war die Pinkelflasche bald voll und obendrein aufgrund des in der Kälte zerbrochenen Plastikverschlusses undicht. So kroch ich zumindest zweimal aus dem Zelt in die eisige Nacht zum Pinkeln. Das muss ich beim nächsten Mal sicher anders organisieren.
 
Als ich am 19.8.2009 morgens erwachte, war das Zelt innen von einer dünnen Eisschicht unseres gefrorenen Hauches überzogen. Ein eisiger Anblick. Laut Aussage eines Expeditionsteilnehmers soll es in seinem Zelt -12 Grad Celsius gehabt haben. Ich habe zwar nicht gemessen, aber vorstellen kann ich mir das.

Zunächst habe ich mich in unserem engen Zelt etwas organisiert und dann das Verlassen des Zeltes vorbereitet. Ich glaube, wir haben in der Früh nicht mehr Wasser geschmolzen, aber sicher bin ich mir da nicht mehr. Jedenfalls habe ich in der Meinung, es sei eine gute Idee, an diesem Morgen 2 Paar Socken angezogen und noch einen Fußwärmer an meine Fußsohle geklebt. Beides halte ich im Rückblick für dumm. Erstens hat der Fußwärmer überhaupt nicht funktioniert und zweitens führten die 2 Paar Socken samt Fußwärmer dazu, dass der Scarpa F1 Skischuh etwas eng wurde. Man sollte halt nichts tun, was man nicht vorher ausprobiert hat. Glücklicherweise zog ich mir an den Zehen keine Erfrierungen zu, da der Scarpa F1 mit seinem flexiblen Frontbereich automatisch dafür sorgte, dass die Zehen immer in Bewegung blieben. Einige Teilnehmer verwendeten dicke Gamaschen. Ich hatte nur den Skischuh an.

Leider fror ich mir 4 Finger, einen davon recht arg. Wieder ist der Grund dafür meine Dummheit. Ich habe am Morgen des 19.8.2009 erstmals die Innenschuhe bereits im Zelt angezogen und dann im Freien probiert, in die hart gefrorene Schale meines Skischuhs zu steigen. Da das nicht gleich klappte und ich die Daunenhandschuhe, die mir Karl Watschinger geborgt hat, nicht kaputt machen wollte, habe ich diese ausgezogen und nur mit Seiden- und darüber Fließfingerhandschuhen an meinem Skischuh herumhantiert. Nach wenigen Minuten waren die Fingerspitzen gefroren.
 
An dieser Stelle gilt mein Dank auch Karl Watschinger für die Daunenhandschuhe und die Daunenhose. Auch will ich Maria Kinberger für die Höhenmesseruhr und Marko Wallner für sein GPS-Gerät danken. Alles samt unbedingt notwendige Gegenstände.

Ich verließ gegen 7:00 Uhr als erster das Lager II und spurte zirka 150 – 200 Höhenmeter bei etwa 20 cm Neuschnee. Ziemlich anstrengend.
 
Das Wetter war morgens prachtvoll und sollte auch noch bis etwa 15:00 Uhr halten. Die ersten Höhenmeter am Morgen des 19.8.2009 waren sehr kalt, doch schon bald kamen wir in die Sonne und ich kam den gesamten Tag mit meiner GORE-Tex-Jacke aus.
 
Ich erreichte gegen 17:00 Uhr den Gipfel. Bei einer Höhendifferenz von 1.100 Metern ergibt das einen Schnitt von etwa 100 Höhenmetern pro Stunde.

Knapp vor Mittag des 19.8.2009 erreichte ich das Lager III auf zirka 6.890 m, welches nur von Schneeschuhgehern eingerichtet wird. Dort rastete ich kurz, habe wohl etwas getrunken und ich denke auch einen Energieriegel gegessen.
 
Ab dem Lager III mussten wir nun nicht mehr spuren. Wir folgten der Spur der Schneeschuhgeher, die in ihrer Anlage sehr steil war und somit nicht ideal für Skitourengeher. Dennoch hielt ich es für besser, die Spur zu nehmen, als selber zu spuren. Mit dieser Entscheidung war ich wohl nicht alleine.
 
Nach dem Lager III kann ich mich noch erinnern, ein Powergel zu mir genommen zu haben, was mir gut bekommen hat. Ein kurz darauf eingenommenes ähnliches Produkt habe ich sofort wieder erbrochen. Das muss auf zirka 7.400 m gewesen sein.

Für einige Expeditionsteilnehmer war auf 7.000 m für einige dann auf zirka 7.350 m Schluss. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit der Bergführerin, dass es in Ordnung geht, wenn ich den Gipfel erst gegen 17:00 Uhr oder später erreichen würde. Vereinbart hatten wir wieder 16:00 Uhr als Umkehrzeitpunkt. Ich glaube, dass ich der Bergführerin dann auch noch eine Portion jenes Energiedrinks gegeben habe für ihren Mann, welchen ich später erbrochen habe. Er dürfte diesen vertragen haben oder nicht eingenommen haben, stand er doch kurze Zeit später mit mir am Gipfel.
 
Gegen zirka 15:00 Uhr zog dann die angekündigte Schlechtwetterfront auf. Ich war zu diesem Zeitpunkt etwa auf 7.300 – 7.350 m. Was dann alles genau passiert ist, kann ich heute nicht mehr im Detail rekonstruieren. Ich bin weiter gestiegen und irgendwann auf die bereits erfolgreichen und abfahrenden Expeditionsteilnehmer Edgar Fink und Florian Kuhn getroffen. Sie haben etwas von 1 – 1,5 Stunden gesagt, die es für mich noch dauern würde. Später traf ich dann noch auf den ebenfalls erfolgreichen Christoph Knitz, welcher gemeinsam mit 2 Alpinisten des DAV Summit Club am Gipfel war und abfuhr. Er sagte mir etwas von zirka 20 Minuten bis zum Gipfel. Zu diesem Zeitpunkt standen wir wenige Meter in Sichtweite vor dem Gipfel. 

Auf den letzten Metern bis zum Gipfel weinte ich kurz vor Freude. Am Gipfel des Mustagh Ata auf 7.546 m war ich etwa gegen 17:00 Uhr gemeinsam mit Hans Kassar, Stefan Fei und Dr. Karl Wilhelm „Kim“ Dehn. Ich war emotionslos, musste die Batterien meiner Kamera wechseln, habe ein Gipfelvideo mit den Geburtstagsgrüßen an meinen Vater samt ein paar Fotos gemacht und abgefellt. An weitere Details kann ich mich nicht erinnern. Bis heute frage ich mich, warum ich die Daunenjacke nicht angezogen habe. Mir war bewusst, dass ich sie mithabe im Rucksack.
 
Schlagartig ist mir am Gipfel sehr kalt geworden. Aus diesem Grund sind wir schon nach wenigen Minuten gemeinsam abgefahren. Die Abfahrt gestaltete sich schwierig. Wir hatten fast keine Sicht und einige Probleme beim Abfahren führten dazu, dass ich erst gegen 19:10 Uhr im Lager II ankam. Wir benötigten also zirka 2 Stunden für eine Distanz, die wir in zirka 50 Minuten hätten abfahren sollen.

Sofort bin ich sehr erschöpft in den Daunenschlafsack gekrochen, habe bis zirka 21:30 Uhr geschlafen und mich wieder soweit erwärmt und erfangen, dass ich etwas essen konnte und anschließend eine ruhig Nacht hatte. Mein Zeltpartner hatte das leider weniger gemütlich.
 
Tags darauf räumten wir früh morgens das Lager II und fuhren in kleinen Gruppen ab ins Lager I. Auch dieses konnten wir noch am selben Tag, den 20.8.2009 komplett räumen und teils selber, teils mit Trägern und einem Maultier ins Basislager schaffen. Noch am selben Nachmittag ordneten und überprüften wir den Großteil der Mannschaftsausrüstung.

Am Abend des 20.8.2009 wurden wir dann fürstlich bewirtet und von der Küchenmannschaft herzlich empfangen. Es ist fast unglaublich, was die Küchenmannschaft in der Zeltküche gezaubert hat. Sensationell. Den Abend rundete eine Darbietung Uigurischer Musik auf einer Dutar ab. Einer der Köche spielte auf diesem traditionellen Uigurischen Instrument und die Küchenmannschaft sang dazu. Sehr bewegend. Ebenfalls bewegend waren dann natürlich auch die Gesangeskünste einiger Expeditionsteilnehmer, allen voran Florian Kuhn. Ich habe mich da eher zurück gehalten. Der Abend klang feuchtfröhlich aus.

Abbau der Lagerkette + Heimreise

Wir hatten gemeinsam beschlossen, dass Basislager so rasch wie möglich zu verlassen. Unser Guide wollte zu seiner Familie und speziell mich lockte die Zivilisation in Form einer Dusche im Hotel. Auch befürchteten wir, das Wetter könne abermals kippen, was einen sauberen Rückzug erschwert hätte.
 
Am 21.8.2009 wurden morgens wieder die Kamele beladen und wir stiegen alle gemeinsam und gut gelaunt ab nach Shubashi. Nach einem gemeinsamen Mittagessen ging es geradewegs zurück mit dem Reisebus nach Kashgar ins Hotel.
 
Nachdem wir uns kultiviert hatten gab es ein ganzes Schaf als Abendessen. Sehr lecker. 

Die folgenden Tage verbrachten wir größtenteils gemeinsam mit Besuchen von Teppichknüpfereien, Jadefabriken, diversen Märkten, einem Theater, Essen sowie dem Besuch der Altstadt von Kashgar. Ein besonders lustiges Erlebnis war es für mich, einen Barbier aufzusuchen und mich so richtig verwöhnen zu lassen. Mit Händen und Füssen sowie dem Foto in meinem Reisepass erklärte ich dem Barbier, wie ich wieder aussehen möchte. Zunächst ließ er mir einen „feschen“ Schnauzbart stehen, da das wohl in seinem Kulturkreis nicht unüblich ist. Ich konnte ihn aber überzeugen, diesen auch zu entfernen. Nach zirka 25 Minuten kneten und rasieren war ich wieder salonfähig.
 
Am 22.8.2009 waren wir bei der Familie unseres Guides in einem verwinkelten Teil der Altstadt von Kashgar zum Mittagessen eingeladen. Die privaten Lebensumstände, die Familiensituation sowie die traditionelle Mahlzeit und Gastfreundschaft erleben zu dürfen, war sehr eindrucksvoll für mich. 

Auch der Sonntagsmarkt von Kashgar, den wir am 23.8.2009 besuchten, war sehr beeindruckend. Obwohl wir während des Ramadan dort waren und keinerlei Speisen in den traditionellen Garküchen angeboten wurden, herrschte geschäftiges Treiben. Tierhändler, Holzhändler und allerlei buntes Volk treibt sich umher auf diesem orientalischen Markt.
 
Die Rückfahrt traten wir am 24.8.2009 an. Zunächst ging es wieder an die Chinesische Grenze, wobei sich die Kontrollen für meinen Geschmack in Grenzen hielten. Vielleicht war ich aber auch nur bereits daran gewohnt, in China ständig den Pass herzeigen zu müssen. Wir erreichten das Örtchen Narin in Kirgisien am frühen Abend und verbrachten eine Nacht dort. Tags darauf führen wir über den Issyk Kul See nach Bishkek, der Hauptstadt von Kirgisien. Nach einer kurzen Nacht ging es früh morgens mit dem Flieger über Istanbul zurück nach München. 

Ich hoffe, dass meine Darstellungen, Schilderungen und meist subjektiven Eindrücke von den anderen Expeditionsteilnehmern auch so gesehen werden. Es war nicht ganz leicht, alles detailgenau wiederzugeben. So hoffe ich, dass ich niemanden und nichts vergessen habe und möchte mich abschließend für die gute Organisation bei AMICAL und natürlich bei meiner Freundin, ihrer Mutter und meiner Familie und meinen Freunden für die Unterstützung bedanken. 

Eindrücke dieser Reise

- der Schatten der Wolken auf der Hochebene unter dem Basislager gesehen im Aufstieg zum Lager I
- die weiße Gletscherzunge in der steppenartigen Hochebene am Fuße des Mustagh Ata
- die befremdende Art der Chinesen, mit anderen Völkern umzugehen
- der Aufwand einer Expedition, um 5 Minuten im Nebel am Gipfel zu stehen
- 100 Höhenmeter in der Höhe sind eine „Welt“
- die Zufriedenheit, Freundlichkeit und der Stolz der Kirgisischen und Uigurischen Nomanden
- die Dimensionen der Berge sowie der Weiten der Landschaft
- die Anpassungsfähigkeit des menschlichen Körpers
- die Verschiedenheit sowie der Wechsel der Landschaften
- die Kulturen der Kirgischen und Uigurischen Nomanden
- die Differenz zwischen dem Leben in diesen Ländern und dem Wohlstand in Europa 
 
 
 
 
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